Frau

Schmerz Nummer Eins
Jede Nacht
Nimmt eine Frau in mir Gestalt an
rittlings auf dem buckligen Rücken ihrer Träume
Blut tropft aus der Gebärmutter ihrer Wünsche
Einer nach dem andern gleiten
ihre Schmerzen in die Bettwäsche
Jede Nacht
reitet in mir eine Frau
auf dem Pferd der Resignation
Schulter an Schulter mit der Sinnlosigkeit
und die Nacht begräbt
ihre Träume im Schmerz
*
Schmerz Nummer Zwei
Sieben Schichten schwärende Wunden
eingerollt in Gestalt einer Wanderschaft
verstaubte Erinnerung an den alten Bund
chronischer blutiger Husten
in ihren verbitterten Augen Hunger
Fiebriger Pesthauch
wirbelt herum
wie ein Zelt, in Flammen aufgegangen
Rauch und Asche
wirbeln herum wie die Stunde der Verleugnung
wirbeln herum
wie der Rock eines tanzenden Derwischs
ent f e r n t sich in mir
erwacht im Schmerz
sieben alte Wunden im Himmel
sieben Schichten Schmerz in der Stunde des Aufbruchs
in ihr in nichts
im Chaos des Un-Nichts
*
Schmerz Nummer Vier
Frausein ist eine große Qual
angesichts
illegitimer Embryos
im Würgegriff stockenden Atems
in den Sekunden des Käfigs
Abgetrennte Knöpfe, in den Tiefen des Grabes
Abgetrennte Brüste, in der Länge der Nacht
Die Nacht ist eine tiefe Wunde
die nicht aufhört zu schmerzen
im schwarzen Saum des Himmels
Ständig pflügt sie sich
in den Leib einer Frau
und sie endet nicht
Sie stirbt nicht!
